In der Krise zur Innovations-
führerschaft

Interview mit Stefan Schaal
von MAFAC

16. April 2021

„Wir reinigen so ziemlich jeden Werkstoff, den man sich vorstellen kann“, sagt MAFAC Geschäftsführer Stefan Schaal im Interview mit Daniel Rexhausen. Die industrielle Reinigungstechnik ist seit über 40 Jahren das Metier des 1968 gegründeten Familienunternehmens. Heute zählt es nach eigenen Angaben weltweit zu den Markt- und Technologieführern in der wässrigen Teilereinigung.

 

Daniel Rexhausen: Wie sind Sie als Unternehmen durch die vergangenen zwölf Monate gekommen?

 

Stefan Schaal: Prinzipiell gut. Wir sind liquiditätsmäßig gut aufgestellt, haben aber auch Corona-Hilfe beantragt und erhalten. Dadurch konnten wir Themen neu angehen, um den Umsatz zu stabilisieren. So zum Beispiel unser Leihmaschinenkonzept. Viele Unternehmen legen während der Krise ihre Investitionen auf Eis und kaufen Maschinen erst dann, wenn die Auslastung wieder stimmt. Hierfür bieten wir nun ein neues Leihmaschinenkonzept an.

Als Arbeitgeber konnten wir im Jahr 2020 glücklicherweise alle Mitarbeiter halten. Das war uns wichtig, denn der Fachkräftemangel ist im Schwarzwald wegen der umliegenden großen Firmen der Ballungszentren ein großes Thema. Deshalb wollen wir Mitarbeiter und deren Know-how halten. Auch dafür haben wir die Unterstützung der Bundesregierung genutzt.

 

Daniel Rexhausen: Geht der Auftragseingang denn wieder aufwärts?

 

Stefan Schaal: Im Januar sind einige Aufträge eingegangen, die wir 2020 gut vorbereitet hatten. Wir merken, dass in China Investitionen wieder freigegeben werden. Daher hoffen wir, dass auch in Deutschland der Trend aufwärts geht und sich an das Niveau von 2019 angleicht – trotz verlängerten Lockdowns.

 

Daniel Rexhausen: Was Sie trägt ist also die Tatsache, dass Sie vom Branchen- und Länderportfolio breit aufgestellt sind.

 

Stefan Schaal: Genau. Wir sind weltweit tätig, haben Handelsvertretungen in China, den USA und anderen Schwerpunktländern, jeweils mit eigenem Service vor Ort. Zudem verpflichten wir uns zu leistungsstarkem Service und sind über die Service-Hotline rund um die Uhr für unsere Kunden da.

 

Daniel Rexhausen: Mietmaschinen im Portfolio bedeuten ja auch Flexibilisierung im Angebot und Ergänzung um Finanzdienstleistungen. Das hatten Sie vorher schon in der Pipeline?

 

Stefan Schaal: Ja. Aber durch Corona hat das Vorhaben eine ganz neue Dynamik erhalten. Zuvor war der Bereich „Leihmaschinen“ eher sekundär. Mit Corona haben wir daraus ein neues Geschäftsmodell entwickelt, um unseren eingebrochenen Umsatz zu kompensieren. Mit Erfolg.

 

Daniel Rexhausen: Haben Sie auch Kernprodukte um andere Dienstleistungen erweitert?

 

Stefan Schaal: Auch das. Unsere Maschinen werden oft mit Automatisierung verkauft. Diese hatten wir bis dato zugekauft. Wir entwickelten nun ein eigenes Produkt, das MAFAC Transfersystem, und haben damit neues Know-how aufgebaut. Dadurch sind wir flexibler und breiter aufgestellt. Außerdem intensivieren wir die Themen Bedienoberfläche und digitale Services sowie alles, was mit Digitalisierung einhergeht.

 

Daniel Rexhausen: Wenn die Pandemie nicht gewesen wäre, hätten Sie das alles in der gleichen Geschwindigkeit einführen können?

 

Stefan Schaal: Vermutlich nicht. Das waren strategische Entscheidungen für die Zukunft. Sie können ja leicht in einer Krise alles schlecht finden und herunterfahren. Aber Sie können die Krise auch als Chance nutzen. Deshalb haben wir unsere Kräfte gebündelt und uns auf wenige Kernprojekte fokussiert. Das heißt, wir gehen neue Wege und entwickeln Produkte weiter. Ohne Pandemie würden wir die Dinge zugegeben anders vorantreiben.

 

Daniel Rexhausen: Haben deutsche Maschinenbauer einen kleinen Schubs gebraucht, um mal wieder innovativer zu werden?

 

Stefan Schaal: Ich denke, dass der deutsche Maschinenbau schon sehr innovativ ist. Der Schubs hat dazu geführt, Industrie 4.0 und Digitalisierung aktiver anzugehen. Was wir hierfür unbedingt brauchen ist eine flächendeckende Versorgung mit gutem Mobilempfang und schnellem Internet.

 

Daniel Rexhausen: Ich habe so das Gefühl, die Kreativität und der positive Umgang mit Rückschlägen sind gestiegen. Die Möglichkeit das Scheitern einzubeziehen hat sich durch den Schock der Pandemie verändert.

 

Stefan Schaal: Das ist das Gute an Krisen, sie verändern die Perspektive und mobilisieren zu neuen Herangehensweisen. Man schaut noch einmal genau hin, überdenkt Kosten und Ziele und agiert mutiger. Bei allem Schmerzhaften, was Krisen auslösen, bieten sie auch die Chance zu wachsen und zu reifen. Nichts ist selbstverständlich und das machen Tiefschläge besonders deutlich. Durch neue Konzepte lassen sie sich aber überstehen. Das finde ich, ist für Mitarbeiter eine wertvolle und wichtige Erfahrung.

Der Service dient auch zur Umsatzgenerierung. Unter Coronabedingungen ist das eine Herausforderung.

 

Daniel Rexhausen: Wie wichtig sind neue Kunden für Sie?

 

Stefan Schaal: Sehr wichtig. Wir wollen wachsen und dafür brauchen wir neue Aufträge. Das Thema Neukundenakquise haben wir hinsichtlich der Pandemie-Einschränkungen noch nicht vollumfassend gelöst. Wir sprechen über Videocall mit den Bestandskunden und sind gut in der digitalen Abnahme. Aber bei Service und Abnahme vor Ort im Ausland verlieren wir durch die Quarantäne-Regelungen fünf Wochen, wofür unter normalen Umständen zwei Tage benötigt werden. Der Service dient ja auch zur Umsatzgenerierung, aber unter Corona-Bedingungen ist das eine Herausforderung. Ebenso fehlen die Messen, um Stammkunden pflegen und Neukunden gewinnen zu können, spürbar.

 

Daniel Rexhausen: Was bedeutet Markführerschaft für Sie?

 

Stefan Schaal: Unter Marktführerschaft verstehen wir sowohl Technologie- als auch Innovationsführerschaft. Daher beteiligen wir uns an Forschungsprojekten mit renommierten Hochschulen und investieren in eine eigene Vorausentwicklung. Mehrfache Patentanmeldungen bestätigen uns dieses Vorgehen.

 

Beitragsbild Quelle: ©MAFAC – E. Schwarz GmbH & Co. KG

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