InnerCircle: Liona Kinder im Interview

„Während man schläft, trifft man keine Entscheidungen“

14. Oktober 2020

 

„Während man schläft, trifft man keine Entscheidungen“

 

Liona Kinder, Projektmanagerin bei DIMARCON, erzählt im Interview mit Daniel Rexhausen, Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens, von ihrem recht spontanen Einstieg bei DIMARCON. Warum sind spontane Entscheidungen oftmals besser, als lange zu überlegen und Vor-und Nachteile abzuwägen?

Außerdem berichtet sie, warum ihr Job ihr so viel Spaß macht und wie sie ihre Leidenschaft, die Gastronomie und den Mannschaftssport, in ihren Arbeitsalltag integrieren kann. Daraus lässt sich nämlich einiges für zufriedene Kunden und Kollegen ableiten.

 

Rexhausen: Hallo Liona, sag‘ mal, weißt du, dass du bei uns einen Rekord innehast?

 

Kinder: Tatsächlich nicht, aber ich bin mir sicher, du kannst mir mehr dazu erzählen. (lacht)

 

Rexhausen: Du warst das schnellste jemals geführte Vorstellungsgespräch.

 

Kinder: Daran erinnere ich mich. Für mich war es jedenfalls das ungewöhnlichste Vorstellungsgespräch, das ich bis dato geführt habe. Zu dem Zeitpunkt hatte ich mich gar nicht bei DIMARCON beworben. Ursprünglich hatte ich mich auf eine ganz andere Stelle bei einer ganz anderen Firma beworben.

 

Rexhausen: Und wie kam es, dass du heute trotzdem bei uns bist?

 

Kinder: Ich saß in dem Vorstellungsgespräch für die andere Stelle und habe erfahren, dass sie schon besetzt war. Mir wurde gesagt, dass mein Lebenslauf sehr interessant sei und dass da noch jemand sei, der sich den gerne anschauen möchte. Und dann kamst du direkt dazu.

 

Rexhausen: Wie war das für dich?

 

Kinder: Zunächst wusste ich nicht, was passiert, was mich erwartet vor allem. Ich hatte dann ein Gespräch aus einer ganz anderen Perspektive. Nicht ich habe erzählt, sondern du hast mir gesagt, warum ich zu DIMARCON kommen soll.

 

Rexhausen: Schon nach fünf Minuten haben wir dir dann ein Angebot gemacht. Weißt du warum?

 

Kinder: Ich glaube, dass ich durch meine Persönlichkeit und meine Ausstrahlung überzeugt habe – nicht unbedingt durch fachliches Wissen. Du hast zugehört, hast selber erzählt, mich angeschaut, und relativ schnell die Hand ausgestreckt und gefragt, ob ich Lust hätte. Das war wie eine Achterbahn in meinem Kopf. Meine Entscheidung habe ich direkt aus dem Bauch heraus getroffen. Ich habe sie nicht bereut.

 

Rexhausen: Häufig haben wir Bewerber, die lieber nochmal eine Nacht drüber schlafen möchten. Was würdest du so jemandem sagen?

 

Kinder: Während man schläft, trifft man keine Entscheidungen. Also warum nochmal drüber schlafen?

Rexhausen: Unseren Bewerbern sage ich immer: „Wenn wir ein Angebot machen, möchte ich auch eine Entscheidung zurückhaben. Entweder ist es Liebe auf den ersten Blick oder es wird sowieso nichts. Kurzfristige Entscheidungen sind immer emotional – und dein Gefühl weiß eigentlich, was gut für dich ist. Wenn du anfängst nachzudenken, werden die Entscheidungen nicht besser, sie dauern nur länger. Im Schnitt triffst du rational eine schlechtere Entscheidung als wenn du sie sofort triffst.“ Neun von zehn Bewerbern tun sich brutal schwer damit, wenn ich ihnen rate, auf ihr Gefühl zu hören.

Kinder: Meine Entscheidung, einen neuen Weg einzuschlagen, stand im Vorfeld. Deswegen konnte ich noch mehr auf meinen Bauch hören. Irgendwie hat es einfach gepasst. Jetzt bin ich schon neun Monate hier.

 

Rexhausen: Bist du zufrieden bisher?

 

Kinder: Es gefällt mir gut. Am Anfang hatte ich leichte Probleme bei der Umstellung. Ich komme aus der Hotellerie und war körperliche Arbeit gewohnt. Still sitzen vor dem Bildschirm war erst nicht so meins, aber ich bin da reingewachsen und habe mir privat mit mehr Sport einen Ausgleich geschaffen. Auch die geregelteren Arbeitszeiten im Vergleich zu vorher gefallen mir. Trotzdem hängt mein Herz nach wie vor an der Gastronomie.

 

Rexhausen: Was kann ein Unternehmen vom Konzept Hotellerie/Gastronomie lernen? Wie schafft man es, dem Gast beim Besuch die Erfahrung zu schaffen, dass er sagt: „Ich komme wieder?“

 

Kinder: Jeden Gast – oder Kunden – individuell sehen, behandeln. Hinter ihn schauen, wo kommt er her? Wer steht vor mir? Man sollte die Gäste nicht einfach abfertigen, sondern ihnen jeden Wunsch erfüllen – das war in meinem Hotel Vorgabe. Wir haben dem Menschen ein Erlebnis geschaffen.

 

Rexhausen: Und was können wir als DIMARCON machen, um unseren Kunden genau dieses Gefühl zu verschaffen wie damals bei dir im Hotel?

 

Kinder: Einfach mehr darauf eingehen, wie der Mensch ist, ihn einordnen. Ist er gefühlvoll und muss in Watte gepackt werden? Oder ist er knallhart? Wir sollten ihn nicht nur als Kunden sehen oder das Produkt dahinter.

 

Rexhausen: Den Fehler machen viele Unternehmen. Sie haben einen Zielkunden, sprechen aber nur das Unternehmen an. Das trifft aber keine Entscheidungen. Dahinter stehen Menschen. Oft ist es aber einfach zu anonym.

 

Kinder: Das merke ich häufig im Projektmanagement, wie wichtig das ist. Auch den Menschen positiv zu begleiten.

 

Rexhausen: Stichwort Projektmanagement. Was genau machst du bei uns?

 

Kinder: Ich bin ja gerade erst angekommen und betreue in erster Linie kleinere Projekte. Außerdem unterstütze ich Saskia im Key Account Management. Eine weitere Funktion von mir ist die Team-Assistenz innerhalb von DIMARCON. Wie funktioniert das Team miteinander?

 

Rexhausen: Und was macht dir hier am meisten Spaß?

 

Kinder: Das Planen und Organisieren und Unterstützen. Wenn ich am Ende des Tages sehe, dass alle – Kunden und Kollegen – zufrieden sind, war es ein guter Tag. Das habe ich aus der Gastronomie mitgenommen. Ich nehme mich da oft zurück, stelle andere in den Vordergrund. Aber das ist absolut in Ordnung für mich.

 

Rexhausen: Was fehlt den Gastronomiebetrieben, in denen es nicht gut läuft?

 

Kinder: Sie arbeiten nicht strukturiert, es herrscht Chaos. Oftmals kennen sich die Leiter nicht aus, waren selbst nie mittendrin. Sie wissen gar nicht, was es bedeutet, operativ zu arbeiten.

 

Rexhausen: Wir machen Work Shadowing – das heißt, ein Projektmanager geht mal mit dem Außendienst vom Kunden mit. Danach ist der Bezug ein ganz anderer, das Projekt läuft besser, es gibt einen Einblick. Ich finde, wir können andersherum unseren Kunden auch mal zeigen, wie wir vorgehen – das würde auch helfen, Leistung zu beurteilen. Denn manchmal fehlt mir da die Wertschätzung für das, was wir tun.

 

Kinder: Definitiv. Das lässt sich auch aufs Restaurant übertragen. Ich war Leiterin, kannte aber auch die andere Seite. Das war ein Vorteil, die Mitarbeiter haben sich abgeholt und wertgeschätzt gefühlt, weil ich auch operativ mitgeholfen habe.

 

Rexhausen: Die Art, wie wir miteinander umgehen, zeichnet uns glaube ich auch aus. Es gibt schnell Verantwortung, wenn gewollt, niemand wird gezwungen. Es gibt schnelle Entscheidungen, die Wege sind kurz.

 

Kinder: Auf jeden Fall sind die Kommunikationswege sonst länger. Jeder kann mitbewegen, auch wenn er erst neu angefangen hat, man wird deswegen nicht in die Ecke gestellt. Wichtig: Jeder muss hier seine eigene Struktur für sich entwickeln.

 

Rexhausen: Abseits vom Job, du bist noch sehr jung. Was waren deine bisherigen Highlights im Leben?

 

Kinder: Mit 16 bin ich für elf Monate nach Costa Rica gegangen. Ich habe meinen Eltern gesagt: „Ich gehe nach Costa Rica“. Da hatte ich die Entscheidung schon getroffen, mich bei einer Organisation beworben und alles mit der Schule geklärt. Spanisch als Sprache hat mich fasziniert – und ich wollte es dort lernen, wo kein Englisch oder Deutsch gesprochen wird, quasi im kalten Wasser. Außerdem hatte ich als Kind ein Buch über Costa Rica. Die Bilder darin fand ich unglaublich. Aus 400 Bewerbern wurden drei ausgewählt. Ich war eine davon.

Rexhausen: Durchgesetzt gegen 397 andere – ist es dir wichtig zu gewinnen?

 

Kinder: Gewissermaßen schon. Das habe ich aus dem Sport mitgenommen. Ich habe Fußball auf hohem Niveau gespielt, habe mich durch Bezirksauswahl und Talentförderung hochgekämpft. Mein Traum war es, ganz oben mitzuspielen. Leider habe ich das Ziel nicht erreicht, mein Traum wurde durch Probleme mit dem Knie zerstört. Das war eine große Niederlage für mich.

 

Rexhausen: Wie bist du damit umgegangen?

 

Kinder: Damals war ich 13, habe es noch drei Jahre versucht, bis es einfach nicht mehr ging. Ich habe mir dann etwas anderes gesucht, worin ich gut bin, mich entwickeln kann. Aufgebaut habe ich auf einer klassischen Gesangsausbildung und habe noch Schauspielunterricht genommen.

 

Rexhausen: Was nimmst du aus dem Sport mit für deinen Job?

 

Kinder: Unendlichen Kampfgeist für ein Team. Als Kapitän in der Mannschaft habe ich geschaut, wie läuft das Team? Wie geht es den anderen? Ich wollte immer alle mitziehen und jedem – auch schwächeren – zeigen: Du bist wichtig.

 

Rexhausen: In Costa Rica warst du schon. Was steht noch auf deiner Liste fürs Leben?

 

Kinder: Ich wollte immer meinen eigenen Laden haben. Deswegen bin ich fast 13 Jahre in der Gastronomie gewesen. Nachdem ich ein Restaurant geleitet habe, war das Ziel es eventuell zu übernehmen oder was komplett Neues aufzubauen. Der Plan war, ein veganes Restaurant zu machen – und jeder Gast wäre nicht einfach nur eine Nummer.

 

Rexhausen: Liona, ich danke dir für das Gespräch!

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